Juni 12

Zusammenarbeit mit Dienstleistern im Selfpublishing

Was solltest du als Autor oder Autorin in der Zusammenarbeit mit Dienstleistern im Selfpublishing beachten?

Grüß dich, werter Kollege, geschätzte Kollegin im Schreibwahn!

Schön, dass du wieder da bist. Der Kaffee ist noch warm, die letzte Steuererklärung ist abgegeben (Admin-Pause für die nächsten drei Monate …), und dein neuestes Baby – dieses Manuskript, für das du deine Seele und ungezählte schlaflose Nächte geopfert hast – ist endlich auf der Welt.

Jetzt kommt der Teil, über den so viele Autor:innen so gerne hinweghuschen wie über eine Kaugummipackung auf der Straße: Die Zusammenarbeit mit Dienstleister:innen.

Denn seien wir ehrlich – schreiben kannst du. Aber Vertrieb? Print on Demand? Cover, die nicht aussehen wie von Paint zusammengeklickt oder selbstgestrickt? Lektorat, das nicht nur Rechtschreibung, sondern auch die Gefühle deiner Figuren korrigiert? Das ist ein eigenes Biest.

Du weißt, dass du nicht alles selbst machen kannst … und die Versprechungen, dass KI, oder wie auch immer diese ach so modernen Textmaschinen gerade genannt werden, all deine Probleme im Nu und nichts lösen würden, lassen dich nicht nur kalt. Ja, sie erschrecken dich vielleicht mehr, als dir bis jetzt bewusst war.

Der Ausweg ist klar: Du brauchst professionelle Unterstützung, um ein gutes Buch in die Welt zu bringen.

Hier geht es mir allerdings nicht darum, dich davon zu überzeugen und aufzulisten, wen du alles brauchen könntest. Ich beleuchte heute die Frage: „Was solltest du bei deiner Zusammenarbeit und Kommunikation mit Dienstleister:innen beachten, damit du nicht nur zu den Ergebnissen kommst, die du dir wünschst, sondern auch noch Spaß und Freude bei diesem Prozess hast?“ (Schließendes Anführungszeichen und Fragezeichen ergänzt/angepasst)

Team hält Fäuste zusammenDieser Artikel wird kein trockenes „10 Gebote für die Zusammenarbeit mit Dienstleister:innen“-PDF werden. Mir ist vielmehr nach einem ehrlichen, augenzwinkernden Gespräch unter Leuten, die schon mal in das eine Fettnäpfchen oder die andere Kuhflade getreten sind und daraus gelernt haben.

Ich habe das Drama in zwei Akte aufgeteilt:

  1. Die großen Player – Buch-Portale, Buch-Vertrieb, PoD, Druckereien. Die Giganten mit AGBs, vollgestopft mit kleingedrucktem Kauderwelsch, der „natürlich“ nur Formsache ist und dich dennoch an die Bedingungen fesselt. Die Großen, die dir den Traum vom Bestseller überhaupt erst ermöglichen und dir gleichzeitig deinen Alltag so richtig schwer machen können.
  2. Die unabhängigen Zauberer:innen – Grafiker:innen, Korrektor:innen, Lektor:innen, Buchsetzer:innen. Die kreativen Seelen, die dein Buch hübsch und vollständig machen. Lauter Individuen mit ihren eigenen Wünschen und Vorlieben, die dir helfen, deine Vorstellungen zu konkretisieren und dabei ganz schön anspruchsvoll sein können.

Mach es dir gemütlich, denn wir reden jetzt Klartext, und es kann gut sein, dass ich dabei den Finger auf die eine oder andere Wunde lege …

Keine Bange! Es gibt ein Happy End!!!!

TEIL 1: Die Big Player in der Selfpublishing-Welt – oder: Wie du nicht zwischen den Stühlen der Konzerne verschwindest

Der Vertrieb – Dein bester Freund? Deine stille Partnerin? Oder dein Ex, der noch dein Gewand hat?

Wenn du als Selfpublisher:in Bücher verkaufen willst, kommst du an den großen Plattformen nicht vorbei. Amazon KDP, Tolino, BoD, Autaria, NovaMD – diese Namen sind dir geläufig. Das sind die Tankstellen deines Buches. Aber wie bei Tankstellen: Die Preise sind selten fair, und die Toilette ist manchmal grausig.

Fallstrick Nr. 1: So wie sich die Sonne nicht um die Erde dreht, dreht sich die Buchwelt nicht um dich.

Ja, die Möglichkeiten, die sich in der Buchbranche in den letzten 10 Jahren aufgetan haben, waren früher für Autorinnen und Autoren fast unvorstellbar. Du hast in so vieler Hinsicht die Wahl und bist in so mancher Hinsicht weniger ausgeliefert als die Autor:innen im letzten Jahrhundert.

Eines darfst du aber nicht vergessen: Die Firmen, die Angebote für Selfpublishing bereitstellen und anbieten, tun das nicht aus Menschenfreundlichkeit oder weil das Wohlergehen und das gute Einkommen von Autor:innen ihr höchstes Gut wäre. Sie sind alle – ohne Ausnahme – am Start, um Geld zu verdienen und Profit zu machen – und zwar auf deine Kosten.

Das heißt nicht, dass du dabei nicht auch auf deine Kosten kommen kannst, wenn du gute Arbeit machst und gute Entscheidungen triffst.

Du solltest diese Tatsache aber immer im Hinterkopf haben, wenn du mit diesen Giganten zu tun hast.

Klar, die einzelnen Menschen, mit denen du in diesem Prozess zu tun hast, haben alle ihre eigenen Motivationen und Eigenschaften, und du bist gut beraten, sie dementsprechend zu behandeln.

Respekt! Den solltest du in jede Kommunikation mitnehmen.

Autor:innen, die fälschlicherweise glauben (bewusst oder unbewusst), dass Firmen wie Amazon oder BoD in erster Linie dafür da sind, die Bedürfnisse der Autor:innen zu befriedigen, erleben immer wieder heftige Enttäuschungen.

 Fallstrick Nr. 2: Das Exklusivitätskarussell bei E-Books (auch bekannt als „KDP Select“)

Amazon flüstert dir ins Ohr: „Komm in die Gruppe. Wir geben dir höhere Sichtbarkeit, wenn du exklusiv bei uns bist. Gilt nur 90 Tage, und wir verlängern es automatisch … außer du willst nicht mehr. Versprochen.“

Was passiert? Dein Buch ist dann in der Kindle Unlimited (KU)-Flatrate zur Leihe enthalten. Cool, wenn du schnelle Reihen schreibst und deine Leser:innen dann auch das entsprechende KU-Abo haben. Weniger cool, wenn du plötzlich merkst: Du darfst dein E-Book nirgendwo anders verkaufen – nicht auf deiner eigenen Website. Nicht bei Apple. Und die Tantiemen, die über die Leihen kommen, sind alles andere als weltbewegend. Das lohnt sich nur, wenn da richtig viele Bücher ausgeliehen werden. Und ja, auch bei den Ausleihen gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Autor:innen, die richtig gut mit ihren Büchern verdienen.

Best-Practice-Tipp: Sei dir wirklich sicher. Frage dich:

– Schreibst du schnell und viele Bände, am besten Romance oder Thriller? (Dann kann KU (Kindle Unlimited) für dich Gold wert sein.)

– Schreibst du literarische Nischenkrimis, die in Buchhandlungen gut laufen? (Dann bleib weit weg von Exklusivität.)

– Bist du bereit, 90 Tage zu warten, bis du dein Buch woanders anbieten kannst? (Falls ja – nutze die Zeit für die nächste Buchidee.)

Die goldene Regel: Teste. Mach ein Buch exklusiv für drei Monate. Veröffentliche ein anderes gleichzeitig auf mehreren Kanälen. Vergleiche die Zahlen. Hör nicht auf das Geschwätz von YouTube-Gurus, die dir „die EINE geheime Strategie, die IMMER wirkt“ verkaufen wollen. Bei solchen Schaumschläger:innen kannst du dir vielleicht dann und wann eine Idee holen, die tatsächlich originell ist, dann musst du sie selbst testen und sehen, wie das für dich, deine Bücher und deine Leser:innen funktioniert.

Beachte, dass auch andere Anbieter Exklusivität von dir verlangen. Bei den Printbüchern ist Amazon z. B. da viel flexibler als andere Anbieter, die fast alle eine Exklusivitätsklausel in ihren Verträgen haben, zumindest für das jeweilige Produkt – Taschenbuch, Hardcover, Farbschnitt …

Fallstrick Nr. 3: Die unsichtbare Mauer beim Kund:innenservice

Es zieht in beide Richtungen an unsDu hast ein Problem. Dein E-Book wird als „Pferde-Romanze“ kategorisiert, obwohl es ein Thriller über Brieftauben ist. Du schreibst dem Support. Drei Tage später kommt eine automatische Antwort: „Danke für deine Nachricht. Wir kümmern uns darum.“ Zwei Wochen später hast du immer noch nichts gehört.

Die bittere Pille: Große Firmen sind wie Ozeandampfer. Sie reagieren langsam. Und ich muss dich hier an Fallstrick Nummer 1 erinnern: Es geht nicht darum, jedes Individuum (aka Autor oder Autorin) perfekt zu betreuen, sondern diese Firmen wollen Lösungen anbieten, die für möglichst viele Autor:innen möglichst gut funktionieren.

Du musst dich also auf Wartezeiten einstellen und damit leben, dass du nicht immer zu deinem Recht kommen wirst.

Ganz wichtig: Bleibe freundlich und dabei bestimmt. So lassen sich manchmal sogar unerwartete Lösungen finden. Behalte dabei im Kopf, dass die Menschen, mit denen du kommunizierst – wenn du denn die Phase des automatisch generierten Support-Chats überwunden hast – ein Puffer sind zwischen dir und den Leuten, die tatsächlich an eurer beiden Arbeit verdienen. Sie sind nie dein Feind.

Besprich dich auch immer mit deinen Kolleg:innen – oft bist nicht nur du von einem Problem betroffen, sondern viele, weil der Algorithmus wieder einmal an sich selbst arbeitet.

Best-Practice-Tipps:

– Dokumentiere alles. Screenshots, E-Mails, Ticketnummern.

– Nutze Autor:innen-Foren (Facebook-Gruppen, Reddit). Manchmal kennt jemand eine geheime E-Mail-Adresse oder hat einen direkten Kontakt. Vielleicht bist du nicht die/der Erste mit dieser Schwierigkeit, und du brauchst nicht jede Sackgasse selbst zu erkunden.

– Bleib hartnäckig, aber höflich. „Ich bin seit 14 Tagen frustriert“ wirkt besser als „Ihr seid alle inkompetent!“ (Auch wenn Letzteres manchmal zuzutreffen scheint.)

Große Firmen sind wie ein Ameisenhaufen voller Bürokratie mit guter Technik

Sie funktionieren, und du kannst gut mit ihnen arbeiten, wenn du ihre Regeln kennst und sie auch einhältst. Du wirst meist keine:n persönlichen Ansprechpartner:in haben (außer vielleicht bei sehr hohen Umsätzen). Du wirst deren Geschwindigkeit und Arbeitsweise akzeptieren müssen. Aber du kannst sie nutzen, ohne von ihnen gefressen zu werden, und musst deine Seele nicht verkaufen.

Denk daran: Lies die AGBs. Wirklich. Auch wenn sie lange sind und teils gut versteckt. Deine Augen mögen austrocknen oder sich mit Tränen füllen …. Da musst du durch, das bist du dir schuldig. Markiere Stellen zu Haftung, Rückgabe, Exklusivität. Das sind eure Spielregeln. Wenn du sie kennst, kannst du die Fettnäpfchen, die auf dich lauern, vermeiden und erfolgreich sein.

Wir sind ein kleines Rädchen in einer großen Maschine, dessen dürfen wir uns bewusst sein. Gleichzeitig steht die große Maschine, die wir mit so vielen anderen drehen, still ohne unsere Arbeit. Wir sind also nicht hilflos ausgeliefert, sobald wir wissen, wie der Hase läuft, und uns mit unseren Kolleginnen und Kollegen austauschen und zusammenschließen.

TEIL 2: Die Unabhängigen – oder: Wenn die Grafikerin deine beste Freundin wird (oder der Lektor dein Albtraum)

Jetzt kommen wir zum individuelleren Teil. Denn hier geht es nicht um Vertragsklauseln mit Konzernen. Hier geht es um die Zusammenarbeit mit einzelnen Menschen.

Grafiker:innen, Lektor:innen, Buchsetzer:innen (auch Typograf:innen oder Layout-Künstler:innen genannt), Korrektor:innen – das sind die Personen, die dir helfen, dein Buch von „ok, das sieht nicht schlecht aus“ zu „verdammt, das will ich kaufen“ zu machen.

Das Gute: Sie sind kreativ, flexibel, oft günstiger als große Agenturen. Du kannst dich mit ihnen eincrooven, wenn du länger mit ihnen arbeitest. Ihr gewöhnt euch aneinander und könnt so das Beste aus euch herausholen und den Reibungswiderstand von Projekt zu Projekt verringern.

Das Schlechte: Sie sind nicht standardisiert. Jede:r hat eigene Arbeitsweisen, eigene Preise, eigene Fetische (der eine schwört auf Times New Roman, die andere hasst Serifen). Und ohne klare Kommunikation von dir können sie schnell in eine Selbstverwirklichungsspirale abdrehen, wo ihr eigener Wunsch, sich auszudrücken, deine Bedürfnisse in den Hintergrund drängt.

Fallstrick Nr. 1: „Ich kann das auch selbst“ – Die toxische Beziehung zu sich selbst, oder wie du dir am effektivsten in die eigene Tasche lügst

Der erste Dienstleister, die erste Expertin, der oder die dich ruinieren kann, bist du selbst. Du denkst: „Cover? Bau ich in Canva in 20 Minuten.“ – „Lektorat? Ich les den Text einfach nochmal und schmeiß ihn kurz in Ernie von Baidoo.“ – „Buchlayout? Word macht das schon, ich hab mir da eine urgeile gratis Vorlage heruntergeladen.“

Blumen mit SchmetterlingIn Wahrheit ist das eine Parabolkurve in den Abgrund der Unprofessionalität. Wir sind oft blind für unsere eigenen Fehler. Dein Gehirn liest, was sein sollte, nicht was dasteht. Und ein Canva-Cover sieht aus wie ein Canva-Cover – erkennbar für jede:n Profi und noch viel schlimmer: die Leser:innenschaft – auch wenn die vielleicht nicht sagen kann, woran das liegt. Sie kaufen einfach nicht, ohne drüber nachzudenken.

Ich denke mir das alles nicht aus – ich habe vieles selbst probiert und noch mehr aus der Nähe und Ferne gesehen. Ich mache seit 2011 Bücher im Selfpublishing, und während ich damals tatsächlich noch Bücher mit selbstgestrickten Photoshop-Covern erfolgreich verkauft habe, so klappt das mittlerweile gar nicht mehr.

Unsere Branche ist mit der Zeit und der stets wachsenden Konkurrenz viel zu professionell geworden, als dass Do-it-Yourself noch ein funktionierendes Konzept sein könnte. Wenn du möglichst viele Leser:innen erreichen willst, brauchst du Unterstützung von Menschen, die das besser können als du, was für ein gutes Buch nötig ist.

Best Practice: Akzeptiere, dass du nicht alle Talente hast. Du schreibst gut. Ein guter Text alleine macht aber noch kein gutes Buch, sogar nicht, wenn er nicht gründlich überarbeitet wird. Gib das Cover, Lektorat und Layout an Leute ab, die das täglich machen und das viel besser als du. Das ist keine Schwäche, das ist professionelle Arbeitsteilung.

Ja, das kostet Geld, und du darfst lernen, mit diesen Menschen so zu kommunizieren, dass du auch das von ihnen bekommst, was du dir wünschst.

Fallstrick Nr. 2: Die Preisrallye – Zu billig ist gefährlich, zu teuer nicht immer gut

Auf Fiverr oder Kleinanzeigen findest du Lektor:innen für 50 Euro pro Buch. Und du findest welche für 2.000 Euro oder mehr. Beide Angebote nennen sich „Lektorat“.

Die Wahrheit: Billig ist meistens billig. Jemand, der für 50 Euro dein ganzes Buch liest, wird maximal Rechtschreibung prüfen (und das auch schlecht). In der Regel wird dein Buch bei solchen Angeboten in eine Textmaschine geworfen, und du bekommst das „Ergebnis“ dann. Eine professionelle Lektorin (Ausbildung, Erfahrung, Referenzen) kostet oft 30-60 Euro pro Stunde oder 2-5 Euro pro Normseite, manchmal auch mehr.

Der Preis sollte nicht das einzige Kriterium bei der Auswahl deiner Dienstleister:innen sein, eines ist aber klar: wenn jemand die marktüblichen Preise massiv unterbietet, ist das ein sehr schlechtes Zeichen. Und: wenn jemand mehr verlangt, als du bezahlen kannst, dann lass die Finger von ihm/ihr. Es wäre dumm, einen Kredit aufzunehmen, um ein Cover oder ein Lektorat bezahlen zu können.

Best-Practice-Tipps:

– Frage nach Probelektoraten. Eine seriöse Lektorin liest 5-10 Seiten kostenlos oder gegen kleines Honorar. Dann siehst du, ob sie deinen Stil versteht, und du hast auch eine erste Kostprobe, mit welcher Form der Kommunikation du rechnen kannst.

Ich sage gerne: „Wenn mir die ersten 5 Minuten eines Films zu blutig sind, brauche ich mir den Rest gar nicht mehr anzuschauen …“

– Bestehe auf einem Vertrag, der die zu erbringenden Leistungen und ihren Umfang klar definiert: „Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik, Stilglättung, inhaltliche Konsistenz, Plotlöcher“ – alles aufgelistet. Wenn da nur „Lektorat“ steht, ist das für euch beide zu wenig. Und ja, du brauchst auch einen schriftlichen Vertrag, wenn ihr euch gut kennt oder befreundet seid. 😉

– Vergleiche drei Angebote. Das billigste ist oft zu billig. Das teuerste muss nicht das beste sein. Such das, wo die Chemie stimmt, denn du wirst diesem Menschen nicht nur dein Baby anvertrauen, sondern auch viel Zeit mit ihm oder ihr verbringen.

Fallstrick Nr. 3: Das falsche Cover – oder warum 1 und 1 nicht immer 2 ist

Du sagst zu deiner Grafikerin: „Mach mir ein Cover, irgendwas mit einer Burg, Nebel, und einer Frau mit Umhang. Und es soll düster sein. Aber nicht zu düster. Vielleicht etwas lila. Aber auch rot.“

Die Grafikerin nickt. Drei Wochen später kommt ein Cover: eine Burg (zu klein), Nebel (fehlt), eine Frau (sieht aus wie ein Zombie), lila (ist pink), rot (ist orange). Du weinst.

Das Problem: Kreative Dienstleister sind keine Gedankenleser:innen. Und viele scheuen sich nicht, dir etwas zu schicken, das sie selbst für genial halten, was aber nicht deine Vision trifft.

Du bezahlst diese Menschen dafür, dass sie deine Vorstellungen besser verwirklichen können als du selbst. Allein technische Fähigkeiten reichen dafür nicht aus – du musst auch klar kommunizieren können, was du willst. Ein paar flapsige Worte reichen da in den seltensten Fällen.

Best-Practice-Tipps:

Rakete gezeichnet hebt ab– Erstelle ein Briefing-Dokument. Nicht „irgendwas mit Burg“. Sondern: „Burg im Hintergrund, Silhouette einer Frau im Vordergrund, Farbpalette: #2E0854 (tiefes Lila) und #8B0000 (dunkles Rot). Referenzcover: ‚Der Name des Windes‘ von Rothfuss, aber düsterer.“ Das ist ein kurzes Briefing.

– Fordere Konzept-Skizzen an, bevor die finale Datei erstellt wird. Drei grobe Varianten – dann entscheidest du die Richtung. Das kostet vielleicht extra, spart aber Nerven. Wie beim Lektorat ist es auch beim Cover-Design nicht mit einem einzigen Hin und Her getan – ihr müsst da schon ein bisserl Ping Pong spielen, um zu einem optimalen Ergebnis zu kommen.

– Vereinbare auch im Voraus, wie viele Änderungswünsche du unterbringen kannst. Klare Grenzen helfen so sehr in Geschäftsbeziehungen – ok, auch in anderen …

Fallstrick Nr. 4: Der Buchsetzer – Oder: Warum deine Word-Datei nicht reicht

Schon ein E-Book birgt im Satz viele Herausforderungen, bei den gedruckten Büchern explodieren diese …

Halte dir bitte immer wieder einmal kurz vor Augen, dass Buchbinder:in ein Lehrberuf mit 3,5 Jahren (in Österreich) Ausbildungszeit ist.

Du hast dein Manuskript in Word geschrieben, mit 14 verschiedenen Schriftgrößen, handschriftlichen Notizen am Rand und 47 verschiedenen Aufzählungszeichen. Du schickst das an eine Buchsetzerin. Sie öffnet die Datei, macht große Augen und fängt leise an zu weinen.

Das Problem: Buchlayout (auch Satz genannt) ist Präzisionsarbeit. Ein professioneller Buchsetzer will eine saubere Textdatei – idealerweise in Word mit formatfreiem Text (nur Absätze, keine manuellen Trennungen, keine unterschiedlichen Schriftarten) oder in einem Austauschformat wie .docx mit klaren Absatzformaten.

Best-Practice-Tipps:

– Bereite dein Manuskript vor, bevor du es zum Setzer schickst: Entferne doppelte Leerzeichen, ersetze manuelle Seitenumbrüche durch Absatzumbrüche, nutze eine Standardschrift (z. B. Times New Roman). Deine persönlichen Notizen gehören in eine separate Datei.

– Frage vorher: „Welches Format brauchst du?“ Setzer lieben meist Word (.docx), manche auch Markdown oder reine Textdateien (.txt).

– Bezahle für drei Korrekturdurchläufe: Einmal das Roh-PDF (du liest es Korrektur), einmal das korrigierte PDF, einmal die finale Version. Danach kostet jede weitere Änderung extra und das ist auch fair, denn Setzer:innen wollen auch essen.

Eine kurze Checkliste für die Zusammenarbeit mit Unabhängigen Dienstleister:innen

Damit du nicht in die klassischen Fallen trittst, hier eine kleine Liste für dein nächstes Projekt – als Schnellreferenz:

  1. Vertrag, Vertrag, Vertrag abschließen! (schriftlich, mit Leistungen, Terminen, Zahlungszielen, E-Book, Taschenbuch, Hardcover … welche Cover brauchst du? Rechte – wer darf das Cover wofür nutzen?)
  2. Probe-Arbeit erstellen lassen. (5 Seiten Lektorat, ein Cover-Konzept, ein Kapitel-Layout – immer vor dem Full Commitment)
  3. Kommunikationsregeln vereinbaren (Antwortzeit maximal 48 Stunden? Welchen Kanal nutzt ihr für die Kommunikation? Telegram, Email, Signal, Telefon, …)
  4. Wann musst du was bezahlen? (Alles auf einmal oder Ratenzahlung? Wer kommt für etwaige Bankspesen auf bei Auslandsüberweisungen?)
  5. Rechteklärung (Die Grafikerin behält das Urheberrecht am Cover, aber du bekommst ein Nutzungsrecht für alle Buchformate – das ist essenziell! Sonst darfst du das Cover später vielleicht nicht für ein Hörbuch nutzen.)
  6. Nachbesserungsklausel (Was passiert, wenn du erst später einen Fehler findest? Wann entstehen neue Kosten, was ist inklusive?)
  7. In welcher Form erhältst du deine Daten? (Dateiformate)

Der besondere Clou: Wie findest du die Guten?

Eines ist klar: Probieren geht über Studieren, und du musst vieles selbst austesten, aber es ist sehr hilfreich, dich mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen.

„Mit welcher Lektorin hast du gute Erfahrungen gemacht? Wie ist ihre Arbeitsweise?“ – Die Empfehlung einer echten Kollegin ist Gold wert – vor allem, wenn du weißt, dass sie ähnlich tickt wie du.

Verbände und Vereinigungen können hier auch nützen. Der Verein Freier Lektorinnen und Lektoren ist zum Beispiel eine gute Adresse, um seriöse Lektor:innen zu finden: https://vfll.de/ .

Auch Autor:innengruppen in den sozialen Medien können hilfreich sein, oder Autor:innenverbände.

Denk immer dran: „Nur wer fragt, kann Antworten bekommen.“

Das große Finale: Wie du deine ganz persönliche Dienstleister-Strategie findest

Einer hilft der anderen auf den GipfelJetzt hast du mit mir zwei Welten besucht. Die großen, etwas langsameren, aber mächtigen Player. Und die kleineren, kreativen, manchmal chaotischen Seelen.

Die einfache Wahrheit: Du brauchst beide Welten, um als Autor:in erfolgreich zu sein. Kein Weg führt daran vorbei.

– Die großen Firmen (Amazon, BoD, Tolino & Co) sind deine Infrastruktur. Sie stellen die Regale und die Drucker, sie bringen deine Bücher zu deinen Leser:innen. Sei im Umgang mit ihnen professionell, aber emotional distanziert.

– Die unabhängigen Dienstleister:innen (Grafikerin, Lektor, Buchsetzerin) sind deine kreative Familie. Hier geht es um Vertrauen, Chemie und gemeinsame Vision. Lege Wert auf die Beziehung, aber schütze dich mit klaren Verträgen.

Drei goldene Sätze zum Mitnehmen:

  1. „Ich bin Expert:in für meine Geschichte – andere sind Expert:innen für ihre Werkzeuge.“ (Also lass sie machen.)
  2. „Je klarer ich vorher kommuniziere, desto weniger heule ich nachher.“ (Briefings sind deine Rettung.)
  3. „Der billigste Dienstleister ist am Ende der teuerste – für meine Nerven.“ (Investiere lieber einmal gut, als zweimal schlecht.)

Und jetzt: Schließ diesen Artikel, öffne dein Manuskript, und danke kurz all den Dienstleistern da draußen, die aus deinem Word-Dokument ein echtes Buch machen. Sie sind die stillen Held:innen der Selfpublishing-Welt.

Auf dass deine Cover knallen, deine Sätze gut flutschen und deine Druckereien immer die richtige Seite erwischen!

Bis zum nächsten Plausch – dein etwas abgeklärter und fast immer wohlmeinender Kollege im Schreibdschungel.


Tags

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