Mai 24

Selfpublishing – Print on Demand oder Auflagendruck

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📖 Zwei Wege, ein Ziel – aber himmelweite Unterschiede

Stell dir vor, du hast gerade dein Manuskript fertiggestellt. Es ist dein Baby, dein Herzblut, dein nächtelang mit Koffein oder Kräutertee erkämpftes Meisterwerk. Eines ist dir – zumindest für den Anfang – klar: Einen Verlag brauchst du nicht. Du veröffentlichst dein Buch selbstständig.

Eine Stimme in dir sagt: „Das muss in die Buchhandlungen!“ Eine andere ruft: „Ich will erstmal nur online verkaufen.“ Und dann kommt die alles entscheidende Frage: PoD oder Auflagendruck?

Du weißt wahrscheinlich schon, dass PoD für Print on Demand steht. Zur Sicherheit fasse ich noch einmal kurz zusammen: Im Gegensatz zum Auflagendruck, wo die ganze 1. Auflage auf einmal gedruckt, gelagert und dann bei Bestellungen verschickt wird, wird dein Buch bei Print on Demand erst gedruckt, sobald eine Bestellung eingeht. Es werden also z. B. 100 Mal ein Buch gedruckt, statt einmal 100 Bücher.

Die Antwort ist so einfach wie die Frage nach dem Sinn des Lebens – oder der besten Soße für Pommes Frites. Es kommt darauf an – auf deine Ziele, dein Budget, deine Lagerkapazität (ja, das wird noch wichtig), deine Reichweite, deinen Bekanntheitsgrad, deine Risikobereitschaft, deine Zielgruppe, deine Qualitätsansprüche.

Lass uns also die beiden Wege durchleuchten – mit jeweils 7 Gründen, die dafür sprechen, und 7 Argumenten dagegen. Du bekommst dabei keine Antwort, die immer und für alle richtig ist, sondern eine Entscheidungsgrundlage für deinen persönlichen Weg.

📘 1. Print on Demand (PoD) – Der digitale Buchdruck als Füllhorn der Flexibilität

Print on Demand, kurz und schmerzlos auch „PoD“ genannt, ist das, was moderne Selfpublishing-Plattformen wie BoD, Kindle Direct Publishing, epubli oder Tolino Media anbieten. Das Prinzip ist genial simpel: Ein:e Kund:in klickt auf „Kaufen“, der Druckroboter in einer Halle irgendwo in Hessen oder Polen spuckt genau ein Exemplar aus, bindet es, schickt es los. Keine Paletten, keine Restposten, keine Kellerüberflutung. In der Regel finden diese Buchkäufe online über Amazon oder andere Buchportale statt.

✅ 7 Gründe, die FÜR PoD (Print on Demand) sprechen

1. Null finanzielles Vorabrisiko – perfekt für arme Träumer:innen

Du musst keine 500 Euro, 2000 Euro oder gar fünfstellige Summen auf den Tisch legen, bevor du auch nur ein einziges Buch verkauft hast. Die Druckkosten werden in der Regel erst bei Bestellung fällig (oder vom Verkaufserlös abgezogen). Das ist ideal für alle, die ihr Budget lieber in ein gutes Lektorat oder ein cooles Cover investieren möchten. Oder in Avocadotoast – keine Verurteilung. Gerade als blutige:r Anfänger:in ist das Gold wert: Du kannst losschreiben, hochladen und loslegen, ohne bei der Bank einen Kredit für den „Buchdruck-Plan“ beantragen zu müssen.

2. Nie wieder „Ladenhüter-Friedhöfe“ in Keller, Garage oder Schlafzimmer

Logo BoD - Books on DemandKennst du die Geschichten von Autor:innen, die nach einer Lesung mit einem Transporter voller unverkaufter Bücher nach Hause fahren und sie dann jahrelang als Untersetzer, Türstopper oder Brennmaterial zweckentfremden? Bei PoD passiert dir das nicht. Jedes gedruckte Exemplar wurde tatsächlich gekauft. Deine Wohnung bleibt ein Ort der Entspannung, nicht das Zentrallager von „Bücher-Restposten Müller“. Deine Mitbewohner:innen werden es dir danken.

3. Ewige Verfügbarkeit ohne Lagerplatz

Sobald deine Datei im System ist, bleibt sie dort. Das bedeutet: Dein Buch ist in fünf Jahren noch genauso bestellbar wie heute. Du musst keinen Karton mehr verschieben, keine Inventur machen, keine „Ausverkauf“-Anzeigen schalten. Du kannst dich voll und ganz auf deine nächsten Buchprojekte konzentrieren.

4. Korrekturen sind kein Drama, sondern ein Klick

Du hast nach 100 verkauften Exemplaren gemerkt, dass auf Seite 47 „das große Finale“ zweimal hintereinander vorkommt? Oder der Name des Hundes ändert sich plötzlich von „Bello“ zu „Wuff“? Kein Problem! Bei PoD lädst du einfach die korrigierte PDF hoch. Alle zukünftigen Bestellungen erhalten die fehlerfreie Version. Die bereits verkauften Exemplare sind natürlich „Sammlerstücke“ – nenn es einfach limitierte Sonderausgabe. Im Auflagendruck müsstest du die gesamte Auflage verschrotten lassen. Oder warten, bis sie komplett verkauft ist. Autsch.

5. Umweltaspekt: Nur was gewünscht ist, wird gedruckt

Wenn du ein Herz für Bäume hast, dann ist PoD zumindest ein kleiner Balsam für dein Gewissen. Es entstehen keine unverkauften Restauflagen, die später in die Makulatur gehen. Jedes Buch hat einen echten Leser bzw. eine echte Leserin. Klar, der einzelne PoD-Druck ist pro Exemplar energieintensiver als der Offsetdruck im großen Stil, aber die Gesamtbilanz kann sich sehen lassen, wenn du nicht gerade 5000 Exemplare im PoD drucken lässt. Also: Für kleine Stückzahlen ist PoD die ökologisch klügere Wahl.

6. Globaler Vertrieb ohne Logistik-Albtraum

Dienstleister wie BoD, epubli oder KDP verteilen dein Buch automatisch an Amazon, Hugendubel, Weltbild, Thalia und manche über die Barsortimenter (Buchgroßhandel) sogar an Buchhandlungen. Du musst keinen einzigen Karton kleben, kein Versandetikett ausdrucken, keinen Zollkram erledigen. Du brauchst nicht zur Post laufen und mit einzelnen Buchpaketen beladen. Einfach hochladen, Preise festlegen, zurücklehnen und auf die Verkaufszahlen starren (was wir alle tun, zugegeben). Wenn du dann doch mal eine Kiste für eine Lesung brauchst – die PoD-Anbieter erlauben dir, günstige Autorenexemplare zu bestellen. So bekommst du das Beste aus beiden Welten. Von den Versandkosten will ich gar nicht sprechen … überhaupt, wenn du so wie ich aus Österreich nach Deutschland verschicken musst.

7. Geringes Risiko für wilde Experimente

Du hast eine Idee für einen Schmunzel-Krimi aus der Sicht eines Hamsters? Oder einen Ratgeber „Wie man seine Katze zum Weltfrieden erzieht“? Super! PoD erlaubt dir, solche Nischen-Projekte einfach auszuprobieren. Wenn es floppt – na und? Du hast ein paar Euro für ein Test-Exemplar ausgegeben, und das war’s. Wenn es läuft, kannst du später immer noch eine Offsetauflage für den Massenmarkt wagen. PoD ist wie die kleine Probiergröße im Supermarkt: risikoarm und perfekt zum Testen.

❌ 7 Gründe, die GEGEN PoD sprechen

1. Höhere Stückkosten fressen deine Marge auf

Während eine Offset-Druckerei bei 500 Exemplaren vielleicht 2,50 € pro Taschenbuch verlangt, liegst du bei PoD schnell bei 4–7 € pro Buch (je nach Seitenzahl, Farbe, Papier und Dienstleister). Das klingt nicht nach viel, aber bei einem Verkaufspreis von 12,95 € bleiben dir nach Abzug der Druckkosten und der Plattformprovision vielleicht 3–4 €. Beim Offset wären es 6–8 €. Das ist der Unterschied zwischen „Ich kann mir mal einen Döner gönnen“ und „Ich lad die ganze Familie zum Griechen ein“. Für dicke Schmöker mit 500 Seiten oder Farbdruck wird der Unterschied noch krasser.

2. Buchhandlungen mögen keine PoD-Rabatte

Klassische Buchläden kalkulieren mit 40–45 % Rabatt auf den Listenpreis. PoD-Plattformen geben oft nur 20–30 % Rabatt, wenn überhaupt. Also sagt die Buchhändler:in: „Kann ich nicht gebrauchen, davon werde ich nicht satt.“ Manche PoD-Anbieter haben spezielle Buchhandelsprogramme, aber die sind oft kompliziert oder kosten extra. Die Folge: Dein Buch steht nur online, aber nicht im gemütlichen Laden um die Ecke. Das ist schade – und kostet dich potenzielle Laufkundschaft, die eigentlich nach einem Kochbuch greifen wollte, dann aber dein Cover sieht.

3. Schwankende Druckqualität – ein Glücksspiel

PoD-Druckmaschinen sind schnell und effizient, aber nicht perfekt. Ein Exemplar hat leicht verschmierte Buchstaben, das nächste einen minimal schiefen Schnitt, das dritte ist top. Die Papierqualität ist oft Standard und nicht mit hochwertigem Offsetpapier vergleichbar. Für einen Roman ist das in Ordnung, aber für Bildbände, Kunstbücher oder Kinderbücher mit leuchtenden Farben reicht es oft nicht. Du kannst bei PoD in der Regel keine Sonderfarben, Prägungen oder Lesebändchen bestellen. Das ist wie ein Auto ohne Ledersitze – fährt, aber glänzt nicht. Ja, auch beim Farbschnitt bist du mit Print on Demand draußen.

4. Lange Lieferzeiten machen Kund:innen ungeduldig

Die PoD-Produktion und der Versand dauern 3 bis 10 Tage (je nach Plattform und Land). In der Zeit von „Amazon Prime liefert heute noch“ ist das eine halbe Ewigkeit. Viele potenzielle Käufer:innen klicken dann auf das Buch der Konkurrenz, das sofort versandfertig ist. Das gilt allerdings nicht für die amazoneigenen KDP-Angebote. Dieser Prozess wird von den PoD-Dienstleistern regelmäßig verbessert, die materialen Bedingungen bleiben aber als Vorteil vom Auflagendruck, was die Lieferzeiten betrifft.

5. Du wettest gegen deinen Erfolg

So sehr dir die Bedingungen von PoD normalerweise helfen – wenn dein Buch durch die Decke geht und du richtig viele Bücher verkaufst, dann wird PoD im Vergleich zum Auflagendruck richtig teuer. Gerade hier ist es wichtig, dass du ehrlich mit dir bist und flexibel bleibst.

6. Weniger kreative Freiheit bei Ausstattung

PoD-Anbieter haben oft standardisierte Formate (z. B. DIN A5, 6×9 Zoll, Taschenbuch). Du willst ein quadratisches Buch, 20×20 cm, mit Klappenbroschur und fadengeheftetem Rücken? Vergiss es. Falls es überhaupt möglich ist, schnellen die Kosten rasant nach oben. Taschenbuch und Hardcover sind möglich. Du möchtest eine Goldfolienprägung? Ein dezentes Leinencover mit Blindprägung? Ein echtes Lesebändchen? Der PoD-Roboter sagt: „Bzzzt – nicht kompatibel.“ Dein Buch wird also optisch immer etwas austauschbar sein. Das kann für dich keine Rolle spielen, du musst es aber nicht lieben.

7. Keine „limitierten“ Ausgaben möglich

Wenn du dein Buch über Print on Demand veröffentlichst, kannst du nicht mit der (künstlichen) Verknappung im Marketing arbeiten. „Nur noch 25 Exemplare verfügbar …“ – das gibt es mit PoD nicht. Wenn du solche Mittel für dich einsetzen willst, ist ein Auflagendruck der bessere Weg.

🖨️ 2. Auflagendruck (Offset) – Der dicke Brocken mit Charisma und Risiko

Willkommen auf der anderen Seite der Buchproduktion. Hier bestimmst du: Auflagenhöhe, Papierart, Veredelungen, Format – alles. Aber du bezahlst auch alles im Voraus. Der Offsetdruck lohnt sich meist ab 300–500 Exemplaren und wird ab 1000+ Exemplaren richtig wirtschaftlich. Du arbeitest mit einer klassischen Druckerei (z. B. CPI, Bookfactory, Wir machen Druck). Du bekommst Paletten voller Bücher. Was dann damit passiert, liegt an dir – es sei denn, du nutzt einen der Dienstleister wie Autaria oder NovaMD, die Auflagendruck samt Vertrieb für Selfpublishing-Autor:innen anbieten.

✅ 7 Gründe, die FÜR den Auflagendruck sprechen

1. Geringe Stückkosten ab einer gewissen Menge

Ab 500 Exemplaren sinken die Druckkosten pro Buch massiv. Für einen 250-Seiten-Roman zahlst du im Offset vielleicht 2,50 € pro Buch (inkl. Papier, Bindung, Einschweißen). PoD-Dienstleister verlangen da in der Regel wesentlich mehr. Bei 1000 Exemplaren sind es vielleicht nur 1,80 €. Das ist ein gewaltiger Hebel. Du kannst entweder deinen Gewinn pro Buch verdoppeln oder den Preis senken, um mehr zu verkaufen. Rechnen wir mal: Bei 1000 verkauften Büchern zu 12,95 € spart der Offset im Vergleich zu PoD (bei 4 € Differenz) satte 4000 € – das ist ein sehr guter Urlaub – oder ein feines Budget für dein nächstes Buch.

2. Konstant hohe Druckqualität, die du steuern kannst

Schriftlogo von Autaria - Auflagendruck für SelfpublishingOffsetdruckmaschinen sind die Königinnen der Druckkunst. Farben sitzen millimetergenau, der Kontrast stimmt, das Papier ist nach Wahl (säurefrei, cremefarben, matt, glänzend). Du kannst sogar auf Recyclingpapier oder besondere Haptiken setzen. Und das Wichtigste: Alle Exemplare sehen exakt gleich aus. Keine Überraschungen. Das ist besonders wichtig bei Bildbänden, Kochbüchern mit Fotos, Kinderbüchern oder Coffee-Table-Büchern, die jemand gerne in die Hand nimmt, bevor er oder sie das Buch kauft. Ja, das gilt besonders für den Verkauf im stationären Buchhandel oder auf Messen.

3. Du hast ein echtes Lager mit deinen Babys

Frag jeden Selfpublisher nach seinem ersten Blick auf eine Europalette mit 600 frischen Büchern. Das ist emotionaler als die meisten Heiratsanträge. Du kannst sie anfassen, riechen (dieser Druckfarbenduft!), stapeln, signieren, in Schaufenstern arrangieren. Auf Lesungen verkaufst du sie direkt. Du kannst sie an lokale Buchhandlungen liefern, ohne dass diese über einen Großhändler bestellen müssen. Es ist deine Armee aus Papier, und du bist der General. Klar, das ist auch Arbeit, aber für manchen Autor:innen eine verdammt befriedigende Arbeit.

4. Attraktive Konditionen für den Buchhandel

Buchhändler:innen lieben Rückgaberecht (das klassische „Kommissionslager“) und hohe Rabatte (40–45 %). Mit einer Offsetauflage kannst du das bieten. Du sagst: „Hier, nimm 20 Exemplare, wenn du nach drei Monaten 10 nicht verkauft hast, schickst du sie zurück – ich trage das Risiko.“ Das ist für den Buchladen ein No-Brainer. Und dein Buch steht im Regal, sichtbar für alle. PoD kann dieses Spiel nur schwer mitspielen, weil die Retouren bei PoD für dich richtig teuer werden können.

5. Sofortige Verfügbarkeit für Events, Lesungen und Messen

Du wirst zu einer großen Fantasy-Convention eingeladen. 5000 Besucher:innen. Deine Offset-Auflage von 400 Büchern liegt im Kofferraum. Du baust einen Tisch auf, und jedes Exemplar, das du verkaufst, landet sofort im Rucksack des Kunden. Kein „Bitte bestellen Sie online“ – nein, du gibst das Buch direkt aus der Hand. Das schafft Vertrauen und Impulskäufe. Menschen lieben es, Dinge sofort mitzunehmen. Das kannst du mit Print on Demand auch gewährleisten, in diesem Fall bist du aber mit Auflagendruck flexibler.

6. Kreative Ausstattung ohne Grenzen

Du willst ein Hardcover mit Leinenrücken, farbigem Vorsatzpapier, zwei Lesebändchen (rot und blau) und einer geprägten Titelgravur? Geht. Du willst eine Klappenbroschur mit UV-Lack auf dem Cover? Geht. Du willst ein Buch im Format 14,8 x 21 cm mit einer Ausstanzung im Cover? Geht, kostet halt. Du willst bei der Farbschnitt-Bewegung mitmachen? Warum nicht – nur eine Frage des Geldes. PoD sagt zu all dem: „Leider nein.“ Wenn dein Buch ein besonderes haptisches Erlebnis bieten soll, führt kein Weg am Offset vorbei. Das ist fast wie eine Maßanfertigung bei einer Schneiderei – nur für Bücher.

7. Bessere Verhandlungsbasis mit Verlagen und Partnern

Sollte irgendwann ein kleiner Verlag ankommen und sagen: „Wir wollen dein Buch lizenzieren“, dann ist eine erfolgreiche Offset-Auflage ein dickes Argument. Du hast bewiesen, dass du Bücher produzieren und verkaufen kannst. PoD-Statistiken sind weniger beeindruckend, weil jeder sie mit geringem Risiko erreichen kann. Eine Offset-Auflage zeigt: Du hast Geld und Mut investiert. Das signalisiert Ernsthaftigkeit.

 ❌ 7 Gründe, die GEGEN den Auflagendruck sprechen

1. Hohes finanzielles Vorabrisiko

Je nach Ausstattung, Seitenzahl und Auflagenhöhe kostet eine Offset-Produktion schnell 1500 € (für 300 Softcover ohne Schnickschnack) bis 5000 € (für 1000 Hardcover mit Farbe). Das ist Geld, das du erstmal haben musst. Und wenn die Bücher nicht weggehen? Dann hast du nicht nur das Geld verloren, sondern auch tonnenweise Papier, das du nicht mal geschenkt loswirst. Also: Nur machen, wenn du bereit bist, den Totalverlust zu tragen – oder wenn du eine sehr realistische Verkaufsprognose hast.

2. Lagerung – der unterschätzte Albtraum

Eine Europalette mit 500 Taschenbüchern wiegt ca. 100–150 kg und braucht etwa 1 m² Grundfläche. Klingt wenig, aber in deiner 2-Zimmer-Wohnung ist das ein echter Raumklau. Die Palette steht dann im Flur, deine Mitbewohner:in stolpert drüber, die Katze kratzt am Karton. Wenn du umziehst, musst du die Bücher mitschleppen. Wenn du ins Ausland gehst? Keine Chance. Du kannst sie zwar in ein externes Lager geben, aber das kostet monatlich Geld. PoD-User:innen lachen sich angesichts dieser „Problemchen“ ins Fäustchen.

3. Keine Korrekturen nach dem Druck möglich

Volles BuchregalDer Druck ist gelaufen, die Bücher sind gebunden, der LKW bringt sie vorbei. Dann fällt dir auf: Auf Seite 128 steht „Hallo Welt“ statt „Hallo Wald“. Oder das Impressum ist falsch. Oder der Dank an deine Oma fehlt. Zu spät. Diese falschen Exemplare sind jetzt im Umlauf. Du kannst sie nur einschmelzen (teuer) oder verkaufen (peinlich). Klar, du kannst Aufkleber mit Korrektur drucken – aber das sieht dann so richtig unprofessionell und mies aus. PoD rettet dich hier gnadenlos? Eher: PoD hätte dich gerettet.

4. Retouren aus dem Buchhandel – der Herzensbrecher

Du lieferst 200 Bücher an eine Buchhandelskette auf Kommission. Nach drei Monaten kommen 150 zurück – angenagelte Ecken, leichte Gebrauchsspuren, aber als „retournierte Ware“ nicht mehr zum Neupreis verkaufbar. Du hast also die Druckkosten für 200 Bücher bezahlt, aber nur 50 verkauft. Die Retouren kannst du höchstens noch auf Flohmärkten oder bei Restposten-Agenten loswerden. Das ist wie eine kalte Dusche. PoD hätte dir diesen Schmerz erspart, denn bei PoD gibt es keine Retouren (außer bei defekten Exemplaren).

5. Die berühmte Frage: Wie viele drucken?

Das ist die Gretchenfrage des Auflagendrucks. Druckst du 300, weil du vorsichtig bist? Dann sind die Stückkosten höher, und wenn das Buch ein Hit wird, musst du schnell nachdrucken – was wieder teuer ist und Zeit kostet. Druckst du 1000, weil du optimistisch bist? Dann erhöht sich das Risiko von Lager- und Kapitalbindung. Hier macht dich nur die Erfahrung klug.

6. Umweltbelastung durch Makulatur und Restauflagen

Wenn dir nach zwei Jahren immer noch 400 Exemplare im Keller vergammeln, landen sie früher oder später im Altpapier. Das ist nicht nur Verschwendung von Ressourcen (Wasser, Energie, Holz), sondern auch einfach traurig. Jedes vernichtete Buch ist ein kleiner Tritt in die Magengrube deines kreativen Egos. Ökologisch gesehen ist PoD bei niedrigen Auflagen klar im Vorteil. Offset wird erst ab hohen, vollständig verkauften Auflagen umweltfreundlicher – und das erreichen nur wenige Autor:innen.

7. Organisatorischer Overhead – du wirst Logistiker:in

Du musst nicht nur schreiben, sondern auch: Druckerei beauftragen (Angebote vergleichen!), Korrekturfahnen prüfen, Lieferung annehmen, Paletten einlagern, Rechnungen schreiben, Buchhandlungen akquirieren, Retouren abwickeln, Versand selbst machen oder outsourcen, Inventur führen, Steuern beachten. Das kann schnell zum Vollzeitjob werden. Wenn du nebenher noch 40 Stunden arbeitest oder eine Familie hast, wird es eng. Von der Zeit, die du zum Schreiben brauchst, will ich auch noch sprechen! PoD-Autor:innen lachen derweil und klicken nur auf „Preis aktualisieren“.

## 📊 Entscheidungsmatrix – Wann wähle ich was?

Damit du nicht im Ozean der Pro- und Kontra-Argumente untergehst, hier eine kleine, lockere Entscheidungshilfe:

 Dein Profil / Ziel – Tendenz – Begründung

Du hast wenig Geld, willst aber einfach mal veröffentlichen – PoD – Kein Risiko, geringe Einstiegshürde

Du planst Lesungen, Messen, Events – Auflage (klein, 200–300) – Sofortige Verfügbarkeit

Du schreibst Nischen-Lyrik oder sehr spezielle Sachbücher – PoD – Kleine Absatzmengen rechnen sich nicht im Offset

Du willst im stationären Buchhandel landen – Auflage (mind. 300) – Rabatte & Rückgaberecht nötig

Du hasst Organisation und Lagerarbeit – PoD – Alles automatisiert

Du willst ein hochwertiges Coffee-Table-Book – Auflage – Bessere Qualität, Sonderausstattung

Du bist unsicher, wie viele Bücher du verkaufst – PoD – Flexibel skalierbar

Du hast eine treue Fangemeinde (z. B. via Newsletter) – Auflage (nach Umfrage!) – Du kannst sichere Absatzzahlen abschätzen

💡 Bonus: Der Hybrid-Weg – Beides kombinieren

Kluge Selfpublisher:innen machen oft beides. Start mit PoD, um das Buch zu testen und erste Verkaufszahlen zu sammeln. Sobald du siehst, dass du regelmäßig 50–100 Exemplare pro Monat verkaufst, kalkulierst du eine kleine Offset-Auflage von 500–1000 Büchern. Diese verkaufst du dann günstiger pro Stück, holst höhere Gewinne raus und belieferst Buchhandlungen. Die PoD-Version lässt du parallel für Einzelbestellungen, falls die Offset-Auflage mal ausverkauft ist. Beste aus beiden Welten!

Du kannst auch das Taschenbuch im Print on Demand veröffentlichen und dazu eine Hardcover-Ausgabe im Auflagendruck herausbringen. Oder du nutzt einen der oben erwähnten Dienstleister, die Auflagendruck für Selfpublisher:innen anbieten. Mit ihnen fallen zusätzliche Kosten an, du sparst aber viel an Zeit, Raum und Organisation.

🎤 Meine kurze Zusammenfassung

Ob PoD (Print on Demand) oder Offset – entscheidend ist am Ende, dass dein Buch gelesen wird. Kein Schwein (außer vielleicht Fachleute) wird später fragen: „Sag mal, war das ein PoD-Druck oder Offset?“ Das Einzige, was zählt: Hat die Geschichte den Leser oder die Leserin berührt? Hat sie zum Lachen, Weinen oder Nachdenken gebracht? Also: Schreib erstmal ein Buch, das diese Reaktionen verdient. Der Druckweg ist nur die Technik dahinter.

Es gibt nicht die EINE Lösung, die immer und für alle passt. Du darfst und musst DEINEN Weg finden.

Ich wünsche mir, dass meine Überlegungen dir helfen, eine für dich bessere Entscheidung zu treffen.

Was sind deine Erfahrungen mit den verschiedenen Druckwegen für Bücher?

Fallen dir noch weitere Vor- bzw. Nachteile zu Print on Demand und Auflagendruck ein?

Ich freue mich auf deine Rückmeldung und wünsche dir:

Viel Erfolg, du großartige:r Schreiber:in! 📚✨


Tags

Auflage, Auflagendruck, Autaria, Autor, Autorin, Books on Demand, epubli, NovaMD, PoD, Print on Demand, Self-Publisher, Selfpublishing, Veröffentlichen


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